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Zum Internationalen Tag der Sinti und Roma: Antiziganismus in RLP benennen, begegnen und den Nährboden entziehen
Die kürzlich veröffentlichten Zahlen für das Jahr 2025 machen eindrücklich deutlich, dass Straf- und Gewalttaten gegen Sinti und Roma zunehmen und weiterhin fast ausschließlich rechtsextrem motiviert sind. Darauf weist das Netzwerk diskriminierungsfreies Rheinland-Pfalz e.V. anlässlich des heutigen Internationalen Tags der Sinti und Roma hin.

Von den bundesweit insgesamt 196 für das Jahr 2025 polizeilich registrierten antiziganistischen Straftaten (darunter 10 Gewalttaten) hatten 169 (entspricht 86,2 Prozent) einen rechtsextremen Hintergrund. Für Rheinland-Pfalz wurden für 2025 insgesamt 25 antiziganistische Straftaten (darunter drei Gewalttaten) dokumentiert. 22 dieser Delikte (entspricht 88,0 Prozent) hatten einen rechtsextremen Hintergrund.[1] Die Fallzahlen für das Jahr 2025 werden - das lehrt die Erfahrung der vergangenen Jahre - durch Nachmeldungen noch erheblich ansteigen.

Gegenüber dem Jahr 2024 ist die Zahl der polizeilich registrierten antiziganistischen Straf- und Gewalttaten bundesweit um über 11 Prozent angestiegen, während sie in Rheinland-Pfalz um mehr als 10 Prozent zurückgegangen sind.[2] Gleichwohl war der rheinland-pfälzische Anteil an allen im Jahr 2025 polizeilich registrierten antiziganistischen Straf- und Gewalttaten mit 12,8 Prozent erschreckend hoch.

Es ist zudem davon auszugehen, dass die offiziellen Zahlen nur die Spitze des Eisberges sind. Denn vielfach wird der antiziganistische Hintergrund eines Deliktes von den Strafverfolgungsbehörden gar nicht erfasst oder sehen Betroffene wegen mangelndem Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden von einer Anzeige ab. So dokumentierte die beim Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband RLP (VDSR - RLP) angesiedelte Melde- und Informationsstelle Antiziganismus Rheinland-Pfalz (MIA-RLP) für das Jahr 2024 insgesamt 59 antiziganistische Vorfälle in Rheinland-Pfalz und damit etwa doppelt so viele, wie im gleichen Zeitraum polizeilich registriert wurden. Die neuen Zahlen von MIA-RLP für das Jahr 2025 werden am 1. Juni 2026 im rheinland-pfälzischen Innenministerium vorgestellt. Es wird ein weiterer Anstieg der Fallzahlen erwartet.

Rassistische Ressentiments und Einstellungen gegenüber Sinti und Roma, die bis weit in die Mitte der Gesellschaft reichen, bilden den Nährboden für antiziganistische Straf- und Gewalttaten ebenso wie für Ungleichbehandlungen durch Behörden und strukturelle Diskriminierungen z.B. im Bildungssystem und auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt.

Es ist wichtig, diesen rassistischen Ressentiments die menschenrechtlich gebotene Forderung nach der Gleichbehandlung von Sinti und Roma entgegenzusetzen“, sagen Joachim Schulte, einer  der beiden Vorsitzenden des Netzwerk diskriminierungsfreies Rheinland-Pfalz e.V. und Jacques Delfeld Junior, der Geschäftsführer des VDSR - RLP, der Mitglied des Netzwerkes ist.

Gemeinsam habe man die Aufgabe, rassistischen Ressentiments durch präventive Informations- und Bildungsarbeit zu begegnen, Angehörige der Minderheit durch Empowerment zu stärken und von Diskriminierung betroffene Personen durch Beratung und Begleitung bei der Wahrnehmung ihrer Rechte zu unterstützen.

„Dieser Aufgabe stellen wir uns seit vielen Jahren und dieser Aufgabe stellen wir uns auch weiterhin“, so Schulte und Delfeld Junior. „Das aber bedarf auch in Zukunft nicht nur zivilgesellschaftlichen, sondern weiterhin auch staatlichen Engagements.“

  • Es muss in Rheinland-Pfalz weiterhin einen unabhängigen Antiziganismus-Beauftragten geben, der in ständigem Dialog mit den Angehörigen der Minderheit steht, ihre Belange an die Landesregierung heranträgt und diese Belange dort vertritt.

  • Das Land muss die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus Rheinland-Pfalz (MIA-RLP) beim VDSR - RLP auch in der neuen Legislaturperiode auskömmlich und dauerhaft finanzieren.

  • Das Land muss die Antidiskriminierungsberatung des NdRLP e.V. auch in der neuen Legislaturperiode auskömmlich und dauerhaft finanzieren.

  • Das Land muss den Landesaktionsplan gegen Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit fortführen und in diesem Rahmen zivilgesellschaftliche Projekte gegen Antiziganismus und für den Abbau von Vorurteilen und Stereotypen gegenüber Angehörigen der Minderheit der Sinti und Roma auch in der neuen Legislaturperiode finanziell und strukturell unterstützen.


„Wir vertrauen darauf, dass sich auch die neue Landesregierung das Ziel der Gleichbehandlung von und Solidarität mit Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz zu eigen macht und es u.a. durch die Vereinbarung der genannten Maßnahmen in ihrem Koalitionsvertrag für die Jahre 2026 bis 2031 untermauert“, so Schulte und Delfeld Junior abschließend.

gez.:

  • Joachim Schulte, NdRLP e.V.

  • Jacques Delfeld Junior, VDSR - RLP


Hintergrund:

  • Der Internationale Tag der Sinti und Roma ist ein weltweiter Aktionstag, mit dem auf die Situation der Roma, insbesondere auf deren Diskriminierung und Verfolgung, aufmerksam gemacht und zugleich die Kultur dieser ethnischen Minderheit gefeiert werden soll. Er findet seit 1990 jährlich am 8. April statt. Das Datum erinnert an die Anfänge der Roma-Bürgerrechtsbewegung mit dem Ersten Welt-Roma-Kongress, der am 8. April 1971 in London stattfand.

  • Das Netzwerk diskriminierungsfreies Rheinland-Pfalz (NdRLP) e.V. ist ein Zusammenschluss landesweiter Organisationen und Einrichtungen, die die Interessen von Menschen vertreten, die über das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) vor Diskriminierung geschützt werden sollen.
    Link: https://antidiskriminierungsnetzwerk-rlp.de

  • Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz (VDSR-RLP), ist die Interessenvertretung der in Rheinland-Pfalz lebenden Sinti und Roma. Seit seiner Gründung 1983 steht der Einsatz gegen strukturellen Antiziganismus im Zentrum seiner Arbeit. Der Verband engagiert sich für die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe der Sinti und Roma sowie für den Schutz und die Förderung ihrer Kultur. Durch gezielte Öffentlichkeits- und Informationsarbeit trägt er aktiv zum Abbau von Vorurteilen bei.


Link: https://www.vdsr-rlp.de/

[1] Siehe zu allen vorgenannten Zahlen: Bundestags-Drucksache 21/3961 vom 2. Februar 2026.

[2] Siehe Bundestags-Drucksache 20/14987 vom 4. Februar 2025.

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